Der Fels in der Brandung -
die Nordics

21.12.2020

Autor

Prof. Dr. Thomas Beyerle

Prof. Dr. Thomas Beyerle

Managing Director

Catella Property Valuation GmbH

Blogbeitrag

Ehrlich gesagt, finden sich in der Überschrift gleich zwei Fehler. Korrekterweise müsste es heißen, die Felsen. Es sind ja gleich vier, mit Island gar fünf Länder. Der Zweite, zumindest von Erstinvestoren oftmals begangene Fehler, ist die Unterstellung eines einheitlichen Marktgebietes im hohen Norden. Denn der in Analystenkreisen gerne gebrauchte Begriff „Nordics“ – kein Schwede oder gar Finne verwendet diesen Begriff, wenn es die geographische Beschreibung der dortigen Immobilienmärkte geht – wird primär verwendet, wenn es um internationale Vergleiche geht. Ein Vergleich mit der sog. DACH-Region wäre hier ein halbwegs sinnhafter, wenngleich doch hinkender Vergleich. Doch zum Ende eines denkwürdigen Jahres wird der Begriff wieder en vogue. Mit Blick auf das wahrscheinlich noch spannender Immobilienjahr 2021 und der Suche nach Immobilien Alpha oder realistischerweise „Stabilitet i portföljen“1 geraten diese Märkte auf das Radar von Investoren.

Denn die dortigen Immobilienmärkte verkörpern aktuell das, was gefragt ist: Stabilität, Transparenz und Renditechancen. Deshalb eine klare Aussage: Der durch die Pandemie bedingte wirtschaftliche Abschwung in den nordischen Ländern ist deutlich geringer als im übrigen Europa, weshalb sie im Vergleich zu europäischen Pendants eine hohe Pandemieresistenz aufweisen. Die nordischen Länder sind im Allgemeinen relativ gut gerüstet, um mit Rezessionsrisiken umzugehen, da die öffentlichen Finanzen in Finnland, Schweden, Norwegen und Dänemark zu den gesündesten in Europa zählen und genügend Spielraum bieten, die Fiskalpolitik darüber hinaus zu lockern. Die Fiskalpolitik unterstützt die wirtschaftliche Erholung, während die Immobilienmärkte von geldpolitischen Maßnahmen profitieren – dennoch bleiben wirtschaftliche Risiken bestehen.

Die Wirtschaft der vier Länder schrumpfte im zweiten Quartal um rund 7,3 Prozent, seit Anfang Juni zeigt die Erholungskurve aber wieder nach oben. Während die Investorennachfrage aufgrund der hohen Marktliquidität und fehlender alternativer Anlagemöglichkeiten stark bleiben dürfte, steht der Vermietungsmarkt aufgrund sinkender Einnahmen und steigender Risiken unter Druck.

Das Gesamttransaktionsvolumen in den ersten drei Monaten des Jahres 2020 beläuft sich auf 19,2 Milliarden Euro, das sind 16 Prozent weniger als im Vorjahr, aber angesichts der Pandemie ein solides Ergebnis. Nach einem guten ersten Quartal ging die Aktivität auf dem Investitionsmarkt vor allem im zweiten Quartal deutlich zurück. Es ist eine starke Nachfrage nach Core-Immobilien und öffentlichen Mietern in erstklassigen Lagen mit geringen Mieteinnahmenrisiken zu beobachten, daher rücken öffentliche Immobilien, Mietwohnungen und erstklassige Logistiksegmente in den Fokus.

Das Transaktionsvolumen bei Wohnimmobilien ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich auf 43 Prozent gestiegen und wurde von Q1-Q3 2020 zur begehrtesten Anlageklasse, gefolgt vom Bürosektor mit 31 Prozent. Der Anteil internationaler Investoren schrumpfte von 35 Prozent im Jahr 2019 auf 24 Prozent im Jahr 2020 – nachvollziehbar in der Dürre des zweiten Quartals.

Sie sehen: Die nordischen Märkte sind nicht umsonst im Auge der Investoren, Einzelanalyse tut gleichwohl Not, denn Finnland, Norwegen oder Schweden zu vergleichen, ist nicht zuletzt aufgrund eines unterschiedlichen Währungsraums nicht zielführend.

1Stabilität im Portfolio