Von der Analogie des Digitalen

11.12.2020

Autor

Stefan Stüdemann

Stefan Stüdemann

Geschäftsführer

fiveandfriends GmbH

Blogbeitrag

Sind Sie es inzwischen auch leid, an der x-ten Videokonferenz teilzunehmen? Finden Sie auch, dass es zwar toll ist, dass die Digitalisierung in diesem Jahr einen Zwangsschub bekommen hat, dieser aber nicht auch zwangsläufig dazu führt, dass wir uns in unserem Homeoffice perfekt aufgestellt fühlen? Dann willkommen im Club. So geht es Ihnen wie auch den meisten anderen Teilnehmern unserer Branche. Das liegt schlichtweg daran, dass Digitalisierung vieles kann, aber eben nicht als Substitut für menschliche Nähe dient. Es gab und gibt zahlreiche Versuche, die bisherigen analogen Treffen (neudeutsch auch Touchpoints genannt) ins Digitale zu überführen. Wirklich überzeugend davon ist bislang nichts. Natürlich ist es praktisch, das eine oder andere Meeting nun per Videokonferenz abzuhalten. Aber auf Dauer fehlt eben eines: Das Analoge.

Das Zufallsprinzip

Dieses kann tatsächlich mit keiner – zumindest bisher bekannten – digitalen Technologie ersetzt werden. Und daran scheitern derzeit auch die meisten Systeme, die unsere bisherige Welt (also diejenige bis Ende letzten Jahres, in der es noch eine MIPIM und eine EXPO und ein FondsForum gab) zu ersetzen suchen. Neben dem Haptischen und dem Olfaktorischen fehlt vor allem ein wichtiger Faktor: Kollege Zufall. Genau jener, der dafür sorgt, dass wir neben den bereits geplanten Meetings noch den oder die Zufallstreffen haben, sei es am Flughafen oder auf dem Termin bzw. Event selbst. Wenn wir ehrlich sind, macht das einen nicht zu unterschätzenden Anteil an Gesprächen und letztlich auch daraus resultierenden Kooperationen und Projekten aus.

Und eben jener Zufall lässt sich digital nicht simulieren, weshalb auch digitale Messen letztlich kaum funktionieren.

Was aber ist zu tun, um den auch fürs Business wesentlichen Faktor, das Menschelnde, in irgend einer Art und so gut es eben geht ins Digitale zu übersetzen?

Einige erinnern sich vielleicht noch an Chatroulette, eine Plattform, die einen willkürlich mit einem Gegenüber verband, der ebenfalls vor seiner Videocam hing und teils lustige und teils merkwürdige Sachen machte. Nun, sicherlich auch nett, bringt uns aber nicht wirklich weiter.

Aber es gibt einen Ansatz, der uns zumindest in Teilen wieder unseren Kunden und Gesprächspartnern näher bringt trotz digitaler Distanz. Es muss darum gehen, gemeinsam erlebbare Situationen zu schaffen. Die Art, wie wir das lösen können, ist individuell und von den jeweiligen Konstellationen abhängig.

Mit Sherlock Holmes auf Lösungssuche

Ein Beispiel: Es gibt diese eine Geschichte des berühmtesten Detektivs der Welt, in der er einen Fall nur deshalb lösen kann, da er weiß, dass sowohl bei ihm als auch in einem anderen Haushalt die in Großbritannien weit verbreitete Encyclopaedia Britannica existiert. Wenn Sie so wollen also das gemeinsame verbindene Element trotz räumlicher Trennung. Nun gab es seinerzeit noch kein Internet, aber sicher hätte Holmes auch damit erfolgreich gearbeitet.

Unser Credo: Finden Sie diese Enzyklopädie im übertragenen Sinne bei Ihren Geschäftspartnern und binden Sie sie in die digitalen Meetings ein. Und falls das nicht möglich ist: Schaffen Sie eine im wahrsten Wortsinne Analogie, auf der sie gemeinsam aufbauen können. Natürlich kann man nicht dauerhaft digitale Wein- oder Biertastings durchführen, da klopft dann irgend wann mindestens die Compliance an die Tür. Außerdem ist es nicht gut für die Gesundheit.

Aber finden Sie analoge Elemente, die gemeinsam angeschaut, diskutiert und vor allem angefasst werden können. Im Rahmen von Investments, die sich mit Immobilien beschäftigen, liegt es hier doch auf der Hand, sich einmal konkret anhand eines wirklichen Modells über das Investment zu unterhalten. Oder spielen Sie eine Runde Schach und unterhalten sich dabei über die nächsten Schritte beim Portfolio-Aufbau. Seien Sie kreativ und schaffen Sie Abwechslung, in dem Sie digitale Kommunikation wieder ein Stück analogisieren.

Gelingt Ihnen das, dann schaffen Sie nachhaltigere Kommunikation, die Ihre Geschäftsbeziehungen stärken und letztlich auch Ihnen selbst einen Mehrwert bieten.